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Rezension: Fichten-Land - Wie Deutschland seine Wälder verlor

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Eine Streitschrift für eine ökologische Waldwende

PANEK, N. (2021). Fichten-Land. Wie Deutschland seine Wälder verlor. Verlag Natur+Text Rangsdorf, 128 S., ISBN 978-3-942062-53-4, 19,90 €

 

Buch FichtenlandUm es gleich vorweg zu sagen: Mancher Waldbesitzer und Forstmann mag dieses Buch mit seiner Kritik an der deutschen Forstwirtschaft als zu pointiert oder überzogen empfinden, auf die bereits die Formulierung des Titels hinweist. Aber man sollte nicht "die Schotten dicht machen", sondern sich konstruktiv und auch selbstkritisch mit Paneks Kritik auseinandersetzen. Das Ringen um die Zukunft des Waldes ist das wert!

 

Der Autor hat sich um die Ausweisung des Nationalparks Kellerwald-Edersee verdient gemacht und seine Stimme für dessen Erweiterung um die wertvollen Waldhänge nördlich des Edersees erhoben. Er zeigt in Buchpublikationen die Bedeutung des Großschutzgebiets und verfasste zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften zum Thema Wald, meldete sich aber auch immer wieder in der Lokalpresse zu Wort, wenn es gilt, Fehlentwicklungen im Wald aufzuzeigen, so zum Beispiel der unbefriedigende Umgang mit FFH-Gebieten im Wald oder die Kompletträumung von Flächen zur Wiederbewaldung und somit de facto die Schaffung von überwunden geglaubten Kahlschlägen. Kurzum, seine fachliche Expertise ist Ausweis für eine Auseinandersetzung mit seiner Kritik, auch wenn sie unbequem ist.

 

Da ist zum Beispiel das Prinzip der Nachhaltigkeit, auf das deutsche Förster mit Recht stolz sind. Meist wird aber die Nachhaltigkeit auf ökonomische Gesichtspunkte reduziert, d. h. nur von der Biomasse her betrachtet. Zu einem zeitgemäßen Verständnis gehören jedoch auch ökologische und soziale Aspekte.

 

Die Kritik an Fichtenmonokulturen ist mindestens ein halbes Jahrhundert alt.
Panek zitiert als Motto zum Buch den schwäbischen Förster Felix von Hornstein., der bereits im Jahr 1903 mahnte: "Willst du den Wald vernichten, so pflanze nichts als Fichten, Fichten, Fichten." Als wenn dieser Forstmann  die aktuelle Situation vorausgeahnt hätte! Jetzt zeigt sich, dass Fichtenmonokulturen nicht nur aus ökologischer Sicht problematisch sind, sondern auch ökonomisch ein Desaster verursacht haben. Untersuchungen nach "Kyrill" haben gezeigt, dass reine Fichtenbestände doppelt so häufig vom Sturm betroffen waren wie Laubmischbestände. Mag sein, dass der Weckruf des Sturms "Wiebke" im Jahr 1990 weithin ungehört verhallte, aber spätestens das aktuelle Fichtensterben durch Trockenheit und Borkenkäfer zwingt zum Umdenken. So sollen zum Beispiel im hessischen Staatswald die Waldbestände künftig aus fünf Baumarten bestehen. Dieses Umdenken ignoriert der Autor, wenn er schreibt: "Die Fichte ist trotz aller ökologischen Bedenken der `Brotbaum` der deutschen Forstwirtschaft geblieben." Zumindest überspitzt auch, wenn er formuliert: "Das System der Holzplantagen sprich Altersklassenwald blieb unangetastet."

 

Stärker würdigen können hätte er positive Ansätze bei verschiedenen Waldbesitzern wie beispielsweise den Unterbau von Fichtenbeständen durch Anpflanzungen von Buchen im Waldecker Upland. Oder aktuell die Verfahrensweise zur Wiederbewaldung im Bereich des Forstamtes Frankenberg, das für einen Großteil des Staatswalds im Kreisgebiet zuständig ist.

 

Kehrseite der Medaille sind allerdings Negativbeispiele. So setzten einige private Waldbesitzer im benachbarten Sauerland bis in die jüngste Zeit einseitig auf die Fichte, es wurden sogar Buchenbestände umgewandelt.
Und zu Recht kritisiert Panek die Unterpflanzung von intakten Buchenwäldern mit Fichten und neuerdings Douglasien. Das ist eine aus ökologischer Sicht falsch verstandene, höchst problematische Schaffung von Mischwäldern.
Panek bezeichnet einen solchen Waldumbau als Etikettenschwindel.

Den Umgestaltungsprozess im einst laubholzreichen deutschen Wald mit Fichten und Kiefern beschreibt Panek in seinem Kapitel "Fichten-Wahnsinn".
Nun könnte man meinen, dass der Blick in die Historie uns nicht weiterhilft, es vielmehr auf das geforderte Umdenken im Waldbau ankomme. Es gilt aber, früher gemachte Fehler nicht in anderer Form zu wiederholen. So zum Beispiel die Intention, die Fichte einfach weitgehend durch Douglasie zu ersetzen.
Manchen Förstern gilt sie als Wunderbaum: rasch wachsend und dem Klimawandel trotzend. Da hätte man sich gewünscht, dass der Autor die Nachteile dieser invasiven Art eingehender beleuchtet. Douglasien bieten im Gegensatz zur Fichte nur wenigen Tierarten Lebensraum. Hierzu passt aber die von Panek zitierte Äußerung von Deutschlands ersten amtlichen Naturschützer Hugo von Conwentz im Jahr 1904: Er kritisierte die Förderung fremder Holzarten, die den höchsten Gewinn bringen und schrieb: "Hierdurch erfährt die ganze Landschaft wie auch Zusammensetzung der Flora und Fauna eine völlige Veränderung."

Mit Blick auf die aktuelle Herausforderung, die Wiederbewaldung zu bewältigen, widmet Panek der Birke als Pionierholzart ein eigenes Kapitel.
Auch das ist kein neuer Ansatz. so veröffentlichte der Dresdener Waldbau-Professor Anton Heger dazu bereits 1953 seine bemerkenswerte Schrift "Die Begründung von Mischwäldern auf Großkahlschlägen unter besonderer Berücksichtigung des Vorwaldgedankens".

Man muss den Forstleuten zugute halten, dass Waldbau im Klimawandel und damit die Baumartenwahl kaum leistbare Prognosen abverlangt. Und wie kann der wachsende Bedarf an Bauholz gedeckt werden, gerade auch im Hinblick auf die wünschenswerte Förderung des ökologischen Bauens? Dieser Aspekt bleibt in dieser Publikation weitgehend außer acht.

Das Buch ist ansprechend aufgemacht, mit überwiegend aussagekräftigen Fotos. Möge es das leisten, was der Autor mit ihm erreichen möchte: Weckruf und Anstoß für notwendige Diskussionen zur Zukunft des Waldes.
 

Wolfgang Lübcke